Größe: 61,3 ha
Landkreis: Vorpommern-Greifswald; Küstengewässer M-V
Unterschutzstellung: 5. 11. 1990; Verkleinerung 27. 9. 1994
Schutzzweck: Schutz und Erhalt eines Küstenabschnittes der Insel Usedom im Achterwasser mit einem Moränenkliff sowie dem dazugehörenden Höftland mit Erlenbruchwäldern und Weiderasen.  

Lage: Das Schutzgebiet liegt 6 km südlich von Zinnowitz auf der Halbinsel Gnitz, die Teil der Insel Usedom ist. Wasserseitig grenzt der Gnitz an den Peenestrom, die Krumminer Wiek und das Achterwasser. Das Gebiet gehört zur Landschaftseinheit „Achterwasser“.
Geologie und Wasserhaushalt: Die Halbinsel besteht aus mehreren geologischen Einheiten innerhalb der Grundmoränenlandschaft des jüngsten Eisvorstoßes der Weichsel-Vereisung. Der westliche Teil wird von einem langgestreckten, durch Erosion gegliederten, nach Süden bis über 30 m NN ansteigenden Rücken gebildet. Am Südwestende fällt er mit einem steilen, aktiven Kliff zum Peenestrom ab, an dem geschichtete, gemischtkörnige Sande anstehen. Der Rücken ist nach Südwesten auf eine zurückspringende Lobenkerbe der Velgaster Staffel jenseits des Peenestromes gerichtet und stellt offenbar eine sedimentverfüllte radiale Schmelzwasserbahn des zugehörigen Gletschers dar. Der östliche Teil des Schutzgebietes wird von der torfbedeckten Zillnitz-Niederung und einer bis zum Ufer anschließenden Grundmoränenfläche gebildet. Diese endet im Süden mit einem fossilen Kliff. Als Südspitze ist ihm ein typisches Höftland vorgelagert, das durch Anlandung von Strandsanden entstanden ist.
Nutzungsgeschichte: Die SCHMETTAUSCHE KARTE von 1780 zeigt, dass der Gnitz zu dieser Zeit als Acker genutzt wurde. Die Südspitze mit den dicht aneinander gelagerten Sandanwehungen ist hier als offene Dünenlandschaft dargestellt. Im 19. Jahrhundert wurden die verheideten Moränenflächen und das Höftland vermutlich als Schafweide genutzt. Von einer Hudelandschaft zeugen heute noch Wacholdersträucher und einzelne alte Kiefern, die zum Teil bizarre Wuchsformen haben. 1887 wurde die Westhälfte der Moränenhochfläche mit einem breiten Nadelgehölzstreifen aufgeforstet. Zu DDR-Zeiten erfolgte auf den nicht aufgeforsteten Teilen eine intensive Grünlandnutzung. Seit 1993 erfolgen eine extensive Beweidung und Mahd im 1990 unter Naturschutz gestellten Gebiet.
Pflanzen- und Tierwelt: Auf den höher gelegenen Strandwällen des Höftlandes und der anschließenden Grundmoränenfläche prägen im Sommer Gras- und Kartäuser-Nelke, Sand-Strohblume, Knöllchen-Steinbrech, Gemeines Katzenpfötchen, Gewöhnlicher Thymian, Echtes Labkraut und Silbergras das Bild. Die brackwasserbeeinflussten Weiderasen in den Riegen weisen reiche Bestände des Steifblättrigen und des Breitblättrigen Knabenkrautes sowie von Sumpf-Sitter und Tausendgüldenkraut auf. Am Steilufer des Weißen Berges stocken Kiefer und Birke, daneben Hunds-Rose, Holunder, Pfaffenhütchen, Berberitze und verbreitet Sanddorn. Im Bereich des Geisesees und der Rintnitz existieren Erlenbruchwälder und Feuchtwiesen mit Sumpfdotterblume, Bach-Nelkenwurz, Sumpf-Schachtelhalm, Sumpf-Vergissmeinnicht, Wiesen-Schaumkraut, Kuckucks-Lichtnelke und Sumpf-Segge. Die buchtenreichen Boddengewässer mit ihrem Reichtum an Fischen sind Nahrungsrevier des Fischotters. Ständig vorkommende Neunaugen- und Fischarten sind u. a. Flussneunauge, Meerforelle, Schnäpel, Stint, Blei, Aal, Zander, Hecht, Plötze und Rotfeder. Im Gebiet sind Ringelnatter, Gras- und Moorfrosch heimisch. Die hecken- und gebüschreiche Höftlandschaft bietet Brutmöglichkeiten für Sperbergrasmücke, Drosselrohrsänger, Schilfrohrsänger, Karmingimpel, Neuntöter und Braunkehlchen. Regelmäßig sind Schwarzspecht, Turmfalke, Baumfalke, Mäusebussard, Habicht, Sperber und Kolkrabe im Gebiet beobachtet worden. Die Steilküste am Weißen Berg beherbergt mit 400 - 600 Brutpaaren eine der größten Uferschwalbenkolonien der Insel Usedom. Die Freiwasserflächen und Röhrichte im Uferbereich der Halbinsel werden von Tafel- und Reiherenten, verschiedenen Gründelentenarten (Stockente, Knäkente, Löffelente), Haubentauchern, Blässrallen und Brandgänsen zur Rast genutzt.
Gebietszustand und Entwicklungsziele: Der Zustand des Gebietes ist gut. Durch die Beweidung der hoch gelegenen Magerrasenflächen und des Salzgraslandes am Möwenort sowie die Mahd der Feuchtwiesen konnten die für das Gebiet typischen Vegetationsstrukturen der vorindustriellen Kulturlandschaft in ihren Beständen stabilisiert werden. Allerdings gelang es bisher nicht, die von Besuchern des Gebietes ausgehenden Störungen auf ein verträgliches Maß zu reduzieren.
Öffentliche Nutzung: Das vorhandene Wegenetz durch die Wiesen zum Möwenort und auf den Weißen Berg bietet Naturfreunden per Fahrrad oder auch zu Fuß Möglichkeiten zur Erkundung einer alten Kulturlandschaft mit besonderem landschaftlichen Reiz.
Weitere Infos: Gebiets-Präsentation durch Kai Paulig 

Quelle: Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommern (Hrsg.): "Die Naturschutzgebiete in Mecklenburg-Vorpommern", Schwerin, Demmler Verlag 2003, 720 S. - ISBN 978-3-910150-52-2. Mit freundlicher Genehmigung (c) Demmler Verlag

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