Größe: 53.700 ha
Landkreis: Vorpommern-Greifswald
Unterschutzstellung: 2004
Schutzzweck: Erhalt der naturbelassenen Haffküste, der Binnendünen, der Brohmer Berge, der mageren Sandböden, Niedermoorflächen, Kiefernforste und Buchenwälder zum Schutz von Schreiadler, Kranich und Wiedehopf

Lage: Im Nordosten Mecklenburg-Vorpommerns in direkter Grenzlage zur Republik Polen gelegen, erstreckt sich der Naturpark von der Haffküste bis kurz vor Strasburg im Südwesten und kurz vor Löcknitz im Südosten.
Geologie und Wasserhaushalt: Die Naturparkregion wurde durch das Pommersche Stadium der Weichseleiszeit vor ca. 12.000 bis 10.000 Jahren geprägt. Die hieraus hervorgegangenen Oberflächenstrukturen sind überwiegend reliefarme Grundmoränen, welche durch Eisrandlagen, Oser, Täler und Becken gekennzeichnet sind. Im Spätglazial stauten sich die Schmelzwassermassen infolge des nur langsam im Norden abschmelzenden Eismassivs und bildeten den riesigen Haff-Stausee. Durch Windverfrachtungen wurden Flugsanddecken und Binnendünen aufgelagert. Diese Kombination prägt heute das Sandgebiet „Ueckermünder Heide“. Als Teil des Norddeutschen Tieflandes weist die Region der Ueckermünder Heide überwiegend magere Sandböden auf, während in den Flusssenken der Uecker, Randow und Zarow sowie an der Haffküste Niedermoorflächen vorzufinden sind. Größere Fließgewässer sind die Uecker, Randow, Zarow und Landgraben, die in das Stettiner Haff entwässern. Ein umfangreiches Fließgewässersystem kleinerer Gräben existiert auch; es wurde zur Niedermoorentwässerung angelegt. Darüber hinaus gibt es ca. 900 Standgewässer aller Größen.
Nutzungsgeschichte: Die ersten Menschen kamen nicht lange nach der letzten Eiszeit in das Gebiet des heutigen Naturparks. Im 12. Jahrhundert n.C. kamen deutsche Siedler aus dem westen und brachten fortschrittliche Ackerbaumethoden mit. Zunehmend entwickelten sich auch die Fischerei und das Handwerk. Ein weiterer bedeutender Aufschwung man im 18. Jahrhundert in das Gebiet. Durch Rodungen und Meliorationen wurde Neuland geschaffen, welches den Aufschwung näherte. Die Landwirtschaft blieb und ist bis heute ein wichtiger Wirtschaftszweig in der Region. Heute sind desweiteren Fischerei- und Forstwirtschaft und der zunehmende Tourismus wichtige Einnahmequellen.
Pflanzen- und Tierwelt: Durch die abwechslungsreiche Landschaft mit ihren zahlreichen unterschiedlichen Lebensräumen gestaltet sich auch die Tier- und Pflanzenwelt im Naturpark sehr vielfältig. So findet man von Trockenmagerrasen bis hin zum Niedermoor ein breites Biospektrum. Die Wasserläufe der Seen sowie die zahlreichen Gräben sind ausgezeichnete Jagdreviere für den Fischotter, der auch als Wassermarder bezeichnet wird. Aufmerksame Naturbesucher können zahlreiche Fraßspuren und vielleicht sogar die eine oder andere Burg des Bibers entdecken. In punkto Vogelwelt hat die Naturparkregion ebenfalls einiges zu bieten. Der größte Vertreter, der Seeadler, ist mit 15 Brutpaaren vertreten. Auch der Wiedehopf hat sich die Truppenübungsplätze als Lebensraum zurück erobert. Aber auch außerhalb der Sperrgebiete kann der scheue Vogel mit etwas Glück beobachtet werden. Für den immer wieder kehrenden Vogelzug ist der Naturpark ein wichtiges Rastgebiet. So tanken im Herbst und Frühjahr Tausende Gänse und Kraniche auf den abgeernteten Feldern Energie und verbringen ihre Nachtruhe in den flachen Gewässern wie z.B. im Galenbecker See.
Infolge der unterschiedlichen Wasserversorgung der Böden hat sich im Bereich der Pflanzenwelt ebenfalls ein breites Artenspektrum entwickelt. Neben den bewirtschafteten Nadelholzforsten findet man ausgedehnte, naturnahe Mischwälder, die von Buche und Eiche dominiert werden. Auf sehr feuchten bzw. gar nassen Standorten haben sich Bruchwaldgesellschaften gebildet, welche durch interessante Arten wie z.B. die Sumpf-Dotterblume geprägt werden. Auf feuchten, bewirtschafteten Grünlandflächen finden sich mitunter zahlreiche Orchideen. Auch auf den trockenen Standorten haben sich interessante Pflanzengesellschaften entwickelt. Auf den für den Naturpark charakteristischen Dünen sind neben Waldformationen durch menschliche Bewirtschaftung Heideflächen anzutreffen, welche teilweise mit Wacholder durchsetzt sind. Neben der typischen Heidevegetation mit Kiefern, Wacholder, Birken, Stieleichen, Heidekraut und Heidelbeeren findet man in den feuchteren Bereichen wie an der Haffküste und in den Niederungen der flachen Seen überwiegend Schilf, Seggen und Binsen vor.
Entwicklungsziele: Die Ziele, die im Naturpark verfolgt werden, umfassen den Erhalt der Vielfalt der Böden, die Sicherung des Grund- und Wasserhaushaltes, den Erhalt der vorhandenen hohen Luftgüte, den Erhalt des hohen Lebensraumpotentials für wildlebende Tiere und Pflanzen sowie die Renaturierung von Mooren. Der naturparktypische Bestand an störungsempfindlichen, bodenbrütenden Vogelarten ist mit wirksamen Maßnahmen zu schützen. Durch gezielte Landschaftspflege soll die Entwicklung der Artendiversität sichergestellt werden. Die Schaffung eines überregionalen und funktionsfähigen Biotopverbundsystems ist Voraussetzung zur Wiederherstellung ökologischer Wechselbeziehungen.
Desweiteren bietet der Naturpark eine gute Gelegenheit zur Vertiefung der deutsch-polnischen Kooperation im Natur- und Landschaftsschutz.
Öffentliche Nutzung: Der Naturpark wird durch Erholung und Ruhe geprägt. Es gibt eine große Vielfalt an touristischen Einrichtungen wie z.B. das Herrenhaus in Heinrichsruh oder die Schlossanlage Rothenklempenow. Man kann sich in diesem Naturpark zu Fuß, mit dem Fahrrad, mit dem Pferd oder auf dem Wasser fortbewegen und seine Kultur und Landschaft erkunden. Besonders beliebt bei den Touristen sind der Botanische Garten in Christiansberg, der Tierpark mit Fischotteranlage in Ueckermünde und das Mittelalterzentrum in Torgelow. Nicht zu vergessen ist das Ukranenland, das aus einem Freilichtmuseum mit Geschichts- und Naturlehrpfad und historischen Schiffen aus der Slawenzeit besteht.
Die Region am Stettiner Haff bietet auch für den Wassersport ausgezeichnete Voraussetzungen. Nicht nur am Haff mit seinen attraktiven Seglerhäfen in Mönkebude oder Ueckermünde, sondern auch an Flüssen sind Wanderrastplätze eingerichtet. Im Naturpark kommen kulturell und historisch interessierte Besucher, aber auch Naturfreunde auf ihre Kosten. Die Landschaft bietet viele Wege, um die Natur am Stettiner Haff zu erkunden.

 

Quellen: Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie M-V: Naturpark „Am Stettiner Haff“ und Landkreis Uecker-Randow [Hrsg.]: Naturparkplan „Am Stettiner Haff“, Band I: Leitbild, Ziele und Umsetzungsstrategien, 2008; sowie: naturpark-am-stettiner-haff.de.

Untergebiete

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